Eine besondere Werkzeugkiste prägt die Strassen der Philippinen
29.Mai 2011

Aussergewöhnlich in seiner Zweckmässigkeit ist ein Werkzeugkoffer, der
seinen täglichen Einsatz am Strassenrand in der Dritten Welt findet. Der
Vulkanisator ist eine vollständig ausgestattete Reifenwerkstatt in Form
einer Werkzeugkiste. Das Material ist meist aus Holz und durch den
„Werkstattinhaber“ selbst angefertigt.
Weitere Bestandteile der Werkstatt ist ein grosser Reifen, er wird als
Werbung aufgestellt, eine Luftpumpe und eine Waschschale mit Wasser. Für
die persönliche Bequemlichkeit des Werkstattinhabers sorgt meist ein
Plastikstuhl.
Aufbau dieser besonderen Werkzeugkiste
Der Aufbau dieser Werkzeugkästen ist immer sehr ähnlich zueinander. Als
Basis wird eine Holzkiste benutzt, auf die ein Aufbau für die
Vulkanisation aufgesetzt wird. In der „Luxusvariante“ hat die
Werkzeugkiste einfache Einlegeböden, die bei der Arbeit als „Werkbank“
dienen.
In einer solchen Kiste befinden sich die notwendigsten Werkzeuge für den
Ausbau eines Motorradreifens.
Ringschlüssel in der gängigen Grösse der
Radmuttern, ein kleiner Maulschlüssel für den Kettenspanner, ein
Schraubendreher, 2 Montiereisen, Putzlappen, etwas Schleifpapier, einige
Ersatzmuttern und Schrauben.
Eine einfache Zange dient als
Universalwerkzeug. Dazu eine Gummiunterlage und etwas in kurze Stücke
geschnittenes Vulkanisiermaterial. Eine kleine Flasche wird als
Vorratstank für Petroleum genutzt.
Das Kernstück der Anlage, der Vulkanisator:
Der eigentliche Vulkanisator besteht nur aus einem Metallrohr, das durch
eine federunterstützte Ösenschraube gesteckt ist. Im geschlossenen
Zustand übt die Stange Druck auf einen alten Kolben aus.
Zur
Vulkanisierung wird der Reifenmantel oder Schlauch, an der schadhaften
Stelle, mit etwas Reparaturmaterial unter dem Kolben festgeklemmt. Die
Stange übt nun den notwendigen Druck auf den Kolben aus, sie wird
arretiert und etwas Brennstoff in den Kolben gegossen.
Das entzündete
Petroleum erhitzt den Kolben und bewirkt damit die Vulkanisierung. Nach
Abschluss des Reparaturvorgangs wird der Reifen mit der Fahrradluftpumpe
aufgepumpt und die Erfolgskontrolle findet im Wasserbad statt.
Kosten der Reparatur:
Die Kosten der Reparatur hängen nicht so sehr vom Arbeitsaufwand ab,
sondern vom Materialeinsatz und dem persönlichen Sympatielevel. Wurde
ein grösseres Stück Reparaturmaterial benötigt, dann kann es bis zu 1,50
Euro kosten.
Rad Aus- und Einbau natürlich eingeschlossen. Trotz des
wirklich geringen Verdienstes finden sich diese mobilen Werkstätten
wirklich sehr regelmässig an den Strassenrändern in den Provinzen der
Philippinen.
Zu Feierabend dient die Druckstange übrigens als bequemer Tragegriff für den Werkzeugkoffer.
Fazit:
Eine einzige Werkzeugkiste kann in manchen Ländern eine ganze
Reifenreparaturwerkstatt ersetzen. Mit einfachsten Mitteln verdienen
sich die Menschen so ihren Lebensunterhalt. Von gutem
Heimwerkerwerkzeug, aus westlichen Ländern, können diese Menschen nur
träumen.
Trotzdem wird jeder Urlauber, der eine Motorradtour durch die
Philippinen unternimmt und dabei einen platten Reifen bekommt, sich sehr
über die schnelle Hilfe freuen.